Was ist eine Flüchtigkeits-Schieflage?
Optionspreise oder –prämien werden von Investoren als ein sehr guter Maßstab zur Ermittlung von anstehenden Marktänderungen verwendet. Es wird nicht nur der Preis einer At-the-money Option steigen, da die Händler bezüglich einer Richtung des zugrunde liegenden Aktivpostens spekulieren, sondern es werden auch Out-of-the-money Optionen für diese Aktivposten eine höhere Prämie ansammeln. Zu verstehen, wieso ein Strike eine höhere Flüchtigkeit im Vergleich zu einem at-the-money Strike hat, ist eine sehr wichtige Fähigkeit beim Optionshandel. Die Änderung der Flüchtigkeit zwischen Strikes wird als Schieflage (Skew) bezeichnet.
Eine in-the-money Option ist eine Option, bei der der Strike Preis dem derzeitigen Preis des zugrunde liegenden Aktivpostens entspricht. Wenn Rohöl bei 80 Dollar pro Barrel handelt, dann sind die 80 Dollar Puts und die 80 Dollar Calls in-the-money. Strike-Preise, die unter oder über 80 Dollar liegen wären out-of-the-money Strikes. Bei der Diskussion von Strike-Preisen die out-of-the-money sind beziehen sich Händler auf die prozentuelle Abweichung von in-the-money Strikes, um diese Optionen zu charakterisieren. Bezieht sich ein Händler auf eine Rohöl-Put-Option die um 10% out-of-the-money ist und Rohöl handelt bei 80 Dollar pro Barrel, dann bezieht sich der Händler auf Putoptionen mit einem Strike von 72 Dollar pro Barrel oder Calloptionen mit 88 Dollar pro Barrel.
Theoretisch sollten alle Optionen für einen finanziellen Aktivposten mit dem gleichen Maß an Flüchtigkeit handeln und at-the-money Calls und Puts mit demselben Strike-Preis und Auslaufdatum sollten gleichviel kosten. In der Praxis steigert die Nachfrage nach bestimmten individuellen Optionsverträgen jedoch den Preis.
Es gibt zwei Arten der Schieflage: Strike-Schieflage und Zeit-Schieflage. Die Strike-Schieflage ist ein Maß für die Abweichung der Optionsflüchtigkeit für Optionsverträge mit unterschiedlichen Strikes und demselben Auslaufdatum. Zum Beispiel hat eine Putoption auf Rohöl mit 10% out-of-the-money potentiell eine höhere angenommene Flüchtigkeit, als eine Putoption die 5% out-of-the-money ist. Die Zeit-Schieflage ist ein Maß für die Abweichung von Optionsflüchtigkeiten von Optionsverträgen mit denselben Strike-Preisen aber unterschiedlichen Auslaufdaten. Das bedeutet, dass eine Rohöl Putoption die 10% out-of-the-money ist und in 60 Tagen ausläuft eine größere angenommene Flüchtigkeit hat als eine Rohöl Putoption die in 30 Tagen ausläuft. Wenn sowohl out-of-the-money Call- als auch Putoptionen eine höhere angenommen Flüchtigkeit besitzen als at-the-money Optionen, dann bezeichnet die angenommene Flüchtigkeitskurve ein Lächeln (Smile). Wenn entweder die Puts oder Calls höher oder niedriger sind ist der richtige Begriff „Schieflage“.

Eine zweite Art der Schieflage ist die Zeit-Schieflage. Ein Beispiel wäre die Betrachtung der angenommenen Flüchtigkeit der 70 Dollar Putoptionen des Septembers von Rohöl und der Vergleich mit den 70 Dollar Putoptionen von Dezember von Rohöl. Die angenommene Flüchtigkeit für jede Option kann aus einer Vielzahl von Gründen unterschiedlich sein. Erstens kann die Änderung des zugrunde liegenden Aktivpostens unterschiedlich sein (dies gilt für Future-Verträge mit unterschiedlichen Aktivposten). Zweitens können viele Ereignisse auf längerfristige Sicht passieren. Drittens hat die angenommene Flüchtigkeit eine inverse Beziehung zur Zeit. Generell, bei konstantem Optionspreis, sinkt bei verstreichender Zeit die angenommene Flüchtigkeit.
Traditionelle Optionsauspreisungsmodelle tendieren dazu, out-of-the-money Optionen niedriger auszupreisen als near-the-money Optionen. Das führt dazu, dass bei der Berechnung der Flüchtigkeit einer Option basierend auf dem aktuellen Preis verzerrte Ergebnisse entstehen, da die Optionen näher zu in- oder out-of-the-money wandern, was zu der oben beschriebenen Smile-Kurve führt. In der Praxis steigen out-of-the-money Optionenpreise durch die Angst vor einer raschen Marktbewegung und die angenommene Flüchtigkeit, die zur Auspreisung der Optionen dient, steigt ebenfalls. Als Beispiel dient die jüngste Wirtschaftskrise. Die Händler wollten sich und ihr Portfolio durch den Kauf von Put-Optionen vor einer raschen Abwärtsbewegung des Marktes schützen. Dies erzeugte eine Nachfrage für in- und out-of-the-money Optionen. Die Preise der out-of-the-money Optionen waren billiger, wodurch die Nachfrage und die angenommene Flüchtigkeit stieg, was zu einem großen Skew für S&P 500 – Optionen führte.
Es gibt einen gewissen Punkt im Smile-Diagramm, bei dem das Lächeln abflacht. Bei diesem Punkt können Händler Vorteile für sich herausschlagen.
Siehe auch:
