Bevor ein Händler in den Finanzmarkt eintaucht, sollte er sich bewusst warden über die verschiedenen Marktbedingungen, die herrschen können. Das Ziel dieses Artikels ist es, einen potentiellen Händler über eben diese Marktbedingungen zu informieren, damit Sie herausfinden können, in welcher Marktbedingungen Sie sich gerade befinden und wann diese sich ändert.
Finanzmärkte bewegen sich in viele Richtungen. Manchmal bewegen sich die Märkte über eine kurze oder lange Zeitspanne in eine bestimmte Richtung. Ein anderes Mal bewegen sich für eine lange Zeitspanne die Märkte kaum. Hin und wieder sind die Märkte auch sehr wechselhaft und bewegen sich vor und zurück, ohne sich dabei wirklich irgendwohin zu bewegen. Es gibt ebenfalls die Situation, dass die Märkte sehr flüchtig sein können und sich rasch in eine bestimmte Richtung bewegen. Die Bewertung der vorliegenden Marktbedingung kann den Unterschied ausmachen zwischen einem erfolgreichen und einem verlierenden Handelsgeschäft. Marktbedingungen sind eine Funktion von Angebot und Nachfrage eines Finanzinstruments. Wenn die Nachfrage nach einem Produkt stetig wächst, werden die Märkte nach oben steigen. Im gegenteiligen Falle, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, wird das Finanzprodukt fallen.
Märkte mit Trend
Ein Markt, der einen Trend aufweist, bewegt sich über eine gewisse Zeitspanne in eine gewisse Richtung. Ein Trend ist ein vermeintlich vorherrschender Kurs oder eine Tendenz eines Finanzmarktes, sich in eine gewisse Richtung zu bewegen. Trends werden eingeteilt als säkulare Trends, wenn sie lange andauern, als primäre Trends für mittelfristige Trenddauer und als sekundäre Trends für kurze Zeitspannen. Händler und Analysten verwenden unterschiedliche Arten von technischen Analysen, um herauszufinden, ob ein Markt einen Trend aufweist. Wenn ein Finanzinstrument einen steigenden Trend aufweist, wird der Markt auch als Bullenmarkt bezeichnet. Wenn ein Finanzinstrument hingegen einen fallenden Trend aufweist, wird der Markt Baissemarkt genannt. Es gibt viele verschiedene Arten von technischen Indikatoren zur Ermittlung eines Trends eines Markts. Im nachfolgenden Bild sieht es aus aus, als hätte der Gold Spot Markt seinen Trend begonnen, als das 20tägige, gleitende Mittel (blau) das 50tägige gleitende Mittel (grün) im August überstiegen hat. Der Markt wird in diesem Trend bleiben, solange er über dem mittleren/langfristigen gleitenden Mittel bleibt. Kürzere gleitende Mittel sind eher besser zur Identifizierung von kurzzeitigen Trends geeignet, während längere gleitende Mittel am Besten zur Identifizierung langzeitiger Trends dienen.

Eingeengte Märkte
Wenn sich ein Finanzinstrument nur innerhalb einer schmalen Bandbreite bewegt, dann wird dies als eingeengter Markt bezeichnet (range bound market). Wenn ein Finanzmarkt in einem Bullen- oder Baissetrend ist, kann es passieren, dass er für gewisse Zeit eingeengt wird, während auf News oder neue Impulse gewartet wird, die eine Bewegung nach oben oder unten auslösen können. Wenn Märkte das Ende eines Trends erreichen, werden sie oft eingeengt, da einige Händler, die Long gegangen sind während dem Bullentrend, den Markt nun verlassen haben und nicht genug Nachfrage besteht, um das Finanzinstrument steigen zu lassen. Dies passiert auch am Ende eines Baissemarkts. Eingeengte Märkte treten auf, wenn Angebot und Nachfrage eines Finanzinstruments ungefähr gleich sind. Die vom Markt erzeugten täglichen Schwankungen reichen oft nicht aus, einen neuen Trend zu starten. Ohne neuen Impuls, der die Nachfrage steigen oder sinken lässt, wird der Markt eingeengt bleiben. Ähnlich wie beim Auffinden von Trends verwenden Analysten bestimmte technische Analysen, um herauszufinden, ob ein Markt eingeengt ist oder nicht. Die Bollinger Bände sind eine Art von technischem Indikator, die Verwendungen finden, beim Auffinden von eingeengten Marktbedingungen. Der Bollinger Bände Indikator analysiert Preisdaten und erzeugt ein Konfidenzintervall der zweifachen Standardabweichung um das 20tätige gleitende Mittel. Während die Bollinger Bände sich zusammenziehen und sich aufeinander zubewegen, wird die Bandbreite des zugrundeliegenden Preises des Finanzinstruments immer enger. Betrachtet man die Bandbreite, die zwischen Mitte 2007 bis Mitte 2008 für EUR/JPY existiert hat, dann könnte ein Händler zur Schlussfolgerung gelangen, dass die derzeitige Bandbreite noch einige Monate andauern wird (da die Bollinger Bandbreite ungefähr 12 Monate in der 2007-2008 Periode angedauert hat).

Flüchtige Märkte
Wenn sich ein Finanzinstrument rasch in eine Richtung bewegt, dann spricht man von einem flüchtigen Markt. Flüchtige Märkte erzeugen Handelsmöglichkeiten und können sehr schwer zu handeln sein. Märkte können auch flüchtig und wechselhaft sein, wenn, bezogen auf eine innertägliche Basis, die Bandbreite eines Finanzinstruments sehr groß ist, die Bewegung vom Schließen an einem Tag im Vergleich zum Vortag jedoch gering ausfiel. Wenn Märkte flüchtig oder wechselhaft sind, dann sind Marktteilnehmer unsicher über die die Bewegungsrichtung des Marktes, wobei diese Unsicherheit wiederum große Schwankungen und Flüchtigkeiten erzeugt. Eine Möglichkeit zur Messung der Flüchtigkeit, ist es, einen Finanzmarkt zu betrachten, der Flüchtigkeit darstellt. Der VIX, der Flüchtigkeitsindex, ist ein Messinstrument, das feststellt, wie flüchtig ein Markt derzeit ist und wie flüchtig er in der Vergangenheit war. Der VIX Index wird erzeugt, indem man den Wert der angedeuteten Flüchtigkeit betrachtet, die in S&P 500 “at the money” Optionen enthalten ist. Indem man in einer Tabelle des VIX nachsieht, kann ein Händler sehen, wann der S&P 500 flüchtig war und was die Händler derzeit erwarten können. Wenn die Flüchtigkeit hoch ist, dann erwarten Händler rasche Marktbewegungen in die ein oder andere Richtung. Ist die Flüchtigkeit gering, dann wird der Markt recht stabil sein. Trendmärkte, vor allem Bullenmärkte, haben normalerweise geringe Flüchtigkeit, während wechselhafte und rasche Baissemärkte oft einen hohen VIX Level aufweisen. Betrachtet man nachfolgende Abbildung, erkennt man, beginnend Mitte 2008 bis Ende Märze 2009, dass viele Händler ihre Finanzinstrumente im globalen Equitymarkt abgestossen haben. Dies viel jedoch überein mit einer großen Bewegung des VIX zu einem Level von über 80. Seit März 2009, als sich die globalen Equitymärkte wieder erholt hatten, ist der VIX wieder auf mittlere bis niedrige Level um 20 herum gefallen. Der VIX wird auch als Angstindex bezeichnet, da große Angst mit einem hohen VIX Level zusammenfallen. Da Investoren ihre Portfolios schützen wollen, die Optionen in den S&P 500 Index beinhalten, steigt der Preis oder Wert der Optionen, was wiederum den Wert des VIX erhöht.

Die Marktbedingungen werden sich immer ändern, da die Marktteilnehmer immer neue Informationen finden werden über gewisse Finanzinstrumente. Mithilfe der Betrachtung der Marktbedingungen, die gerade bei einem Finanzinstrument vorherrscht, kann ein Händler die Art von Position bestimmen, die er gerne nehmen will.
